Wer in Berlin sechs Richtige hat, kommt zu Lutz Trabalski. Seit 20 Jahren berät er Gewinnerinnen und Gewinner. Ein Gespräch über Wurst und Glück.
Die letzten Meter zum großen Geld sind erstaunlich unspektakulär. An einem Vormittag im Dezember tritt Lutz Trabalski durch die Glastür im Erdgeschoss der Lotto-Zentrale in Berlin-Wilmersdorf, ein leutseliger großer Mann mit festem Händedruck. Er bittet herein, Gäste dürfen nicht alleine ins Haus. Trabalskis Gäste, das sind regelmäßig auch Menschen, die gerade im Lotto gewonnen haben.
Früher war ich in einem anderen, sehr schmalen Büro. Allein hier in diesem Raum, auf diesem Stuhl saßen wahrscheinlich schon 70 oder 80 Gewinner, die ich beraten habe.„So eine Spielquittung beflügelt die Fantasie. Die Leute malen sich aus, was sie mit dem Geld machen könnten. Schon die Vorstellung, keine Verpflichtungen mehr zu haben, kann wohltuend sein“
wochentazDieser Text stammt aus der wochentaz. Unserer Wochenzeitung von links! In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist – und wie sie sein könnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und natürlich im Abo.Ich denke ja, deshalb hat die Person wenig gesagt. Es passiert aber auch oft, dass mir die Gewinner sehr viel von sich erzählen.
Absolut. Aus der Nummer kommt man nicht raus. Sagt man was, wird es schwierig. Sagt man nichts, auch. Man hat ein schlechtes Gewissen, weil man sonst immer offen war, aber in dem Punkt nicht. Die Leute wissen deshalb oft nicht, wie eng sie den Kreis ziehen sollen. Wir raten: Je enger, desto besser. In der Partnerschaft ist es sicher schwierig, so etwas zu verheimlichen.
Einsamkeit, Antriebslosigkeit, Entwurzelung. Je länger ich Ihnen zuhöre, desto mehr habe ich den Eindruck: Es ist gar kein Glück, im Lotto zu gewinnen. Der Staat verdient beim Lotto mit. 50 Prozent der Einnahmen werden an die Gewinnerinnen und Gewinner ausgeschüttet, 40 Prozent gehen an den Staat oder an die Lottostiftung für gemeinnützige Zwecke. Der Staat plant mit diesen Geldern aus dem Glücksspiel. Ist das nicht fragwürdig?